Frankfurter Rundschau, Mittwoch, 10. Oktober 2001

Junger Kritiker mit Liebe für Mathe und Fußball

Der 15-jährige Moritz Lenel aus Bad Homburg gewinnt den zweiten Preis für seine Buchbesprechung / 1000 Teilnehmer

Der 11. Oktober ist für den 15-jährigen Moritz Lenel aus Bad Homburg ein wichtiger Tag: Bei der Buchmesse wird ihm am Donnerstag der zweite Preis des bundesweiten Wettbewerbs "Junge Kritiker" überreicht. Bereits beim Bundeswettbewerb "Jugend forscht" war der Gymnasiast mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden.

Sein Interesse gilt der Archäologie und der Mathematik, er spielt gerne Fußball und Tischtennis. Fotografieren, Filme selbst entwickeln und Bilder vergrößern zählt der 15-Jährige Bad Homburger ebenfalls zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Außerdem liest Moritz Lenel gerne. Sein Lieblingsbuch derzeit: der Rätselkrimi "Fermats letzter Satz" von Simon Singh. Mit der Besprechung dieses "spannenden Mathematikbuchs" erreichte der Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums den zweiten Platz beim Wettbewerb "Preis Junger Kritiker". Ob Verriss oder Lobeshymne war egal. Vor allem auf eine gut formulierte Meinung achtete die Jury. Ins Leben gerufen haben die Unternehmen bol.de, Ernst Klett Verlag, Stiftung Lesen und Verlagsgruppe Random House/Bertelsmann den Wettbewerb mit dem Ziel, Schülern das Verfassen von Rezensionen nahe zu bringen. Die Schirmherrschaft hatte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler übernommen. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler hatten sich schließlich an dem Online-Wettbewerb (www.junge-kritiker.de) beteiligt.

Auf die Idee an dem Wettbewerb "Preis Junge Kritiker" teilzunehmen, kam Moritz Lenel nach der Lektüre der Frankfurter Rundschau. Dort hatte er gelesen, dass es diesen Preis gibt. Klar, dass er sein Lieblingsbuch "Fermats letzter Satz" bewerten würde. Zur Handlung: Der 1601 geborene Jurist Fermat ist ein Mörder, seine Tatwaffen sind Tinte und Feder, das Opfer der Satz des Pythagoras. Der Mörder verstümmelt sein Opfer fürchterlich, macht aus a²+b² =c² durch ein "n" statt des Quadrats ein neues Wesen. Und er hinterlässt die Drohung, die neue Gleichung besitze keine ganzzahligen Lösungen. Große Detektive versuchen sich an der Lösung des Problems - die Ermittlungen dauern vier Jahrhunderte.

"Alles ist viel spannender als in der Schule, denn dieses Mathematikbuch ist viel aufregender als ein Krimi", schrieb Moritz Lenel in seiner Kritik. Lenel, der derzeit die zehnte Klasse besucht, teilt sich den zweiten Preis des Wettbewerbs "Junge Kritiker" mit dem 18-jährigen Klaus Birnstiel aus Fürstenfeldbruck. Den ersten Preis gewann Elisa Hoven (18) aus Berlin. Die drei Hauptgewinner werden mit einer Reise nach New York belohnt. Moritz Lenel freut sich dabei ganz besonders auf Besuche in Harlem, Staten, Island und Manhattan. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Für den 15-jährigen war dies nicht die erste erfolgreiche Teilnahme an einem Wettbewerb: Bereits bei "Jugend forscht" im Jahr 2000 gewann er mit der Untersuchung einer mittelalterlichen Renneisenofenstätte die Landesliga und nahm daraufhin am Bundespreis teil.

Moritz Lenel wurde am 7. Dezember 1985 in der Hauptstadt der Philippinen (Manila) geboren, bereits nach einem Dreivierteljahr siedelte die Familie aber nach Deutschland über, seit dem ist der Schüler Bad Homburger. Seine Zukunft sieht Moritz Lenel im Medienbereich - in welche Richtung er gehen will, ist allerdings noch offen. Die Siegerehrung ist am Donnerstag, 11. Oktober, bei der Frankfurter Buchmesse.

Die Kritik Lenels ist in voller Länge im Internet abrufbar.

ursprünglich von Niko Chtouris und Waltraut Rohloff

bearbeitet von Patrick Clemens Schmidt